Haben Hunde Gefühle?

Heute hatte ich mal wieder ein Erlebnis, dass mich sehr traurig gestimmt hat. Auslöser waren ein paar Bilder von spielenden Hunden. Manchmal staunt man, was sich daraus entwickeln kann.

Ein paar Fotos – große Wirkung

Zunächst wurde bezweifelt, dass die Hunde auf den Fotos überhaupt spielen. Man würde ja ganz klar sehen, dass das nicht der Fall sei. Auf meine Nachfrage, woran man das denn erkennen könnte, kam zwar keine Antwort.

Dafür bekam ich aber eine persönliche Nachricht mit der Frage, ob ich denn überhaupt wisse, was Spielen sei und dem Hinweis, dass diese Hunde nicht spielen.  Meine Antwort von Wikipedia

„Spiel ist eine freiwillige Handlung oder Beschäftigung, die innerhalb gewisser festgesetzter Grenzen von Zeit und Raum nach freiwillig angenommenen, aber unbedingt bindenden Regeln verrichtet wird, ihr Ziel in sich selber hat und begleitet wird von einem Gefühl der Spannung und Freude und einem Bewusstsein des ‚Andersseins‘ als das ‚gewöhnliche Leben‘.“ – Huizinga: 1938/1991, S. 37

kam nicht besonders gut an. Statt dessen wurde ich belehrt, dass die Kritikerin ausgebildete Hundeproblemberaterin ist und ich vielleicht mal etwas über Hunde lernen müsse.

Spielen Hunde überhaupt?

Nun gut, vielleicht weiß sie ja mehr als ich. Wenn man in zwei Wochen so eine Ausbildung zur Hundeproblemberaterin schafft, muss man ja schon ziemlich fit sein. Ich lerne seit über 15 Jahren und lerne jeden Tag und mit jedem neuen Hund und jedem Seminar, das ich besuche, dazu.

Sie erklärte mir dann, das Spielen eine nicht zielgerichtete Tätigkeit sei – was ja durchaus mit der obigen Definition übereinstimmt. Da aber Hunde triebgesteuerte Wesen seien, spielen sie nicht.

Mmhh, ich dachte eine Weile nach und teilte ihr dann mit, dass meine Hunde das nicht wissen und dass ich vielleicht doch lieber meine Zeit damit verbringen möchte, meinen triebgesteuerten Hunden beim Spielen zuzusehen als ihre Ausführungen zu lesen.

Gesagt, getan – ich habe mit meinen Hunden einen wunderbaren Spaziergang gemacht und diese dummen Tiere spielen andauernd. Haben keine Ahnung davon, dass sie triebgesteuert sind und nicht spielen (dürfen).

Leider war das nicht das Ende

Wieder Zuhause angekommen, gab es neue Nachrichten von der klugen Hundeproblemberaterin. Ich müsse mir ja als Hundetrainerin mal etwas Wissen über Hunde aneignen, schrieb sie mir. Ob ich denn überhaupt weiß, dass Hunde keinerlei Gefühle haben.

Freude kennen Hunde nicht, Trauer auch nicht – überhaupt, sie sind einzig und allein triebgesteuert. Ist doch klar, oder. Wie belohne ich sie denn? Mit Futter! Hah, das ist doch nur der Trieb! Da ist der Beweis.

Also meine Hunde freuen sich, wenn ich nach Hause komme. Sie freuen sich, wenn ich mich mit ihnen beschäftige. Sie sind bedrückt, wenn ich traurig bin. Sie haben Angst, wenn ich sauer bin. Ich bin ganz sicher, dass sie eine ganze Menge Gefühle haben.

Und dann musste ich an meine Shana denken, die uns im April dieses Jahres verlassen hat. Tiere können nicht trauern? Dieser Hund hat ein Jahr lang um ihre beste Hundefreundin getrauert und hatte keinen Spaß mehr am Leben. Sie hatte ihr ganzes Leben mit ihrer Jessy verbracht und ohne ging es einfach nicht. Hunde können nicht trauern? Hunde haben keine Gefühle? – Meine Hunde schon! 🙂

Rechtfertigung für Gewaltanwendung

Angst ist ja auch nur ein Gefühl. Demnach haben Hunde also auch keine Angst? Dann kann man sie natürlich auch beliebig einschüchtern. Das ist ja nur Getue, wenn sie die Rute zwischen den Beinen haben, die Ohren zurücklegen und unter sich machen. Angst kennen sie ja nicht. Angst ist ja ein Gefühl. Oder? Oder eher nicht?

Mit etwas gesundem Menschenverstand und selbst ohne auch nur das Geringste von Hunden zu wissen, zeigen einem Hunde, wenn man sie beobachtet, etwas völlig anderes! Was soll so ein Quatsch?

So lange solche Hundetrainer unterwegs sind und mit dieser Einstellung Hunde trainieren, braucht man sich über nichts zu wundern. Ich mochte an diesem Punkt nicht mehr weiter diskutieren.

Weil ich mir nicht noch anhören wollte, dass Hunde wohl auch keinen Schmerz empfinden. Ist ja alles Vermenschlichung!  Und da ist man dann leider da angelangt, wo solche Experten mit ihren Methoden Hunde physisch und psychisch einschüchtern und dann behaupten, dass das Training doch erfolgreich war.

Klar – ein Hund, der aus Angst funktioniert ist ja auch ein funktionierender Hund.  Es sei denn, er wehrt sich irgendwann mal. Dann heißt es: „Der war unberechenbar. Er hat nicht mal gewarnt!“ und er wird eingeschläfert.

Toller Erfolg. Gute Nacht. 🙁

P.S.: Das Angebot, vom gewaltfreien Clickertrainer ins Lager der gefühllosen Hundetrainer zu wechseln habe ich übrigens nicht angenommen.

 

Ein Kommentar zu “Haben Hunde Gefühle?
  1. Anne sagt:

    Was es alles gibt man glaubt es nicht. Gut geschrieben Claudia.

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