Ist Schutzdienst im privaten Bereich sinnvoll?

Wer mich kennt, weiß, dass ich nichts von Schutzdienst im privaten Bereich halte. Der Schutzdienst und auch die Methoden dort waren einer der Gründe, warum ich auf die Suche gegangen bin nach besseren Methoden und Möglichkeiten für den „ganz normalen“ Hundehalter. So gesehen natürlich gut, weil ich sonst wohl nie eine Hundeschule eröffnet hätte.  😎

Da ich der Meinung bin, dass jeder das tun muss, was er für richtig hält – solange niemand anders zu Schaden kommt – habe ich mich schlicht aus diesem Umfeld zurückgezogen und damit nichts zu tun. 

Gestern Abend hatte ich dann allerdings ein Erlebnis, das mir dieses Thema mal wieder in Erinnerung gerufen hat. Eine Teilnehmerin mit einem Hovawart im Dummykurs hatte beim Aufwärmtraining einen wild hüpfenden Hund neben sich. Sie ging immer 15 – 20 Schritte, wechselte die Richtung und der Hund sprang ständig hoch und ging sie an. Sie ging völlig unbeeindruckt weiter und ich dachte mir, sie wartet darauf, dass der Hund ordentlich geht. Ich schaute mir das an und als der Hund es schaffte, mal fünf Schritte schön neben ihr zu laufen, rief ich ihr zu: „JETZT belohnen“. Da schaut sie mich völlig entgeistert an und fragt mich: „Wofür?“

„Na, weil sie es gerade geschafft hat, schön und ruhig und ohne zu hüpfen oder dich anzugehen, neben dir her zu laufen!“

„Das will ich doch gar nicht!“ war ihre Antwort. „Sie muss ja für unser anderes Training Menschen freudig anspringen!“, was ihr nicht gerade klein geratener Hund in diesem Moment auch schon freudigst bei mir tat. Zum Glück stand ich gut und es ist nichts weiter passiert. Sie hatte ihrem Hund nicht etwa ein Signal dafür gegeben, nein, ich stand nur einfach 5 m weiter da und redete mit ihr.

Auf meinen Einwand, dass ich es nicht in Ordnung finde, wenn der Hund einfach Menschen anspringt, die harmlos in der Gegend herum stehen, reagierte sie etwas beleidigt. Und als ich dann noch meinte, das ein solches Training aus meiner Sicht in der heutigen Zeit nicht unbedingt sinnvoll ist, weil wir ja unsere Hunde als Alltagsbegleiter haben und so ein Verhalten überhaupt nicht gefragt ist, reagierte sie dann richtig sauer.

„Das gehört bei dieser Rasse dazu. Da muss man das machen. Und dann mache ich das auch.“

Ich habe die Diskussion an dieser Stelle abgebrochen, aber mir so meine Gedanken gemacht. Deshalb der Kettenwürger, deshalb musste ich sie ständig ermahnen, nicht zu rucken. Wenn Menschen, die nichts hinterfragen, ein solches Training mit ihren Hunden machen, ist es aus meiner Sicht nicht mehr nur deren Privatsache, sondern einfach nur gefährlich für die Umwelt. Was ist denn, wenn eine Oma oder ein Kind zur falschen Zeit am falschen Ort steht? Wenn der Hund die genauso freudig anspringt – denn unter Kontrolle ist das Ganze leider überhaupt nicht -,  fallen die um. Und ich weiß nicht, wie der Hund dann reagiert. Ich weiß nur, dass ich froh war, dass ich noch stand.  😥

Der Hund, um den es hier geht, hat ständig einen hohen Erregungslevel, ist total nervös, schafft die einfachste Steadinessübung beim Dummytraining nicht und wird von der Besitzerin immer weiter hochgepowert und dafür auch noch gelobt. Ich wusste bis gestern nicht, dass sie Schutzdienst-Training mit dem Hund macht, aber so nah beieinander wie gestern hatte ich noch nie Menschen, die vernünftig mit ihren Hunden arbeiten und das Gegenteil.

Aber das Ergebnis ist beeindruckend! Auf der einen Seite Hunde, die nach 6 Wochen Dummytraining (Einsteigerkurs) ruhig arbeiten, bereits schwierigste Steadiness-Übungen ganz toll meistern, freudig und konzentriert mitarbeiten, etc. und auf der anderen Seite ein Hund, der ständig unter Strom steht, keine zwei Sekunden sitzen bleiben kann und dann noch andere Menschen angeht. Was für ein Unterschied!

Ich möchte hier niemandem zu nahe treten, es gibt sicher Menschen, die auch beim Schutzdienst vernünftig arbeiten und darauf achten, dass ihr Hund sich in der Öffentlichkeit gut benimmt. Aber wenn ich so etwas sehe, wird mir Angst und Bange und die Gefahr, dass hier andere Menschen zu Schaden kommen, ist relativ hoch.

Zumindest bei diesem Mensch/Hund-Team wurden alle meine Bedenken (Vorurteile?  ;-)) bestätigt:

  • Beim Schutzdienst wird nicht mit positiver Verstärkung gearbeitet
  • Durch Schutzdienst werden die Hunde aufgedreht
  • Es wird nicht darauf geachtet, das Verhalten wirklich unter Signalkontrolle zu bringen, um zumindest Gefahr für andere abwenden zu können
  • Impulskontrolle ist quasi nicht vorhanden
  • Die Hunde sind im Alltag schwer zu führen, weil sie nicht lernen ohne Druck und Ruck vernünftig an der Leine zu laufen (in diesem Fall wurde der Kettenwürger mit der Flexi kombiniert, worüber ich mich vorher schon aufgeregt hatte)
  • Die Hunde sind eine Gefahr für ihre Umwelt. Bei der Größe dieses Hundes fällt jeder um, der nicht darauf gefasst ist, dass er angesprungen wird.
  • Und wenn jemand schützend den Arm hebt? – Ich mag nicht drüber nachdenken  😯  🙁

Das musste ich heute morgen erst mal los werden, weil es mich wirklich beschäftigt hat und ich völlig entsetzt war gestern abend. Und ich kenne leider zumindest in unserer Gegend keinen Hundeplatz wo es besser läuft!

 

Veröffentlicht in Tipps rund um den Hund
Ein Kommentar zu “Ist Schutzdienst im privaten Bereich sinnvoll?
  1. Anne sagt:

    Schön geschrieben. Wahrscheinlich lesen es aber wieder nur die Menschen, die gar nicht gemeint sind.

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