Leben will gelernt sein

Ein tolles Buch von Birgit Laser und Wibke Hagemann zum Thema Deprivation bei Hunden. Es geht in  Leben will gelernt sein mit dem Untertitel So helfen Sie Ihrem Hund, Versäumtes wettzumachen um das Training mit Hunden, die nicht den besten Start ins Leben hatten und durch mangelnde Sozialisation Probleme haben, im Leben zurecht zu kommen. Man spricht dabei vom Deprivationssyndrom.

Der Inhalt

Hintergrundwissen

Im ersten Teil wird sehr anschaulich erklärt, was ein Deprivationssyndrom ist und wodurch es entsteht. Im Anschluss daran werden einige weitere theoretische Hintergründe vermittelt wie

  • Entwicklungsphasen des Hundes
  • Die Sache mit den Genen
  • Neurotransmitter und Hormone
  • Angst
  • Stress
  • Hyperaktivität
  • Entspannung
  • Schlaf
  • Den Hund lesen lernen
  • Die Sinne des Hundes

Alles wird auch für Laien sehr verständlich erklärt.

Die Praxis

Danach geht es gleich los mit konkreten Tipps. Zunächst gibt es Tipps für den Einzug des Hundes, seine Gewöhnung und Tipps für Erkundungsspiele.

Danach geht es so richtig in die Praxis mit folgenden Themen:

  • Die Hund-Mensch-Beziehung
  • Das vergiftete Signal
  • Konsequenz
  • Mitgefühl (eines meiner Lieblingskapitel)
  • Trainingserfolge
  • Richtige Belohnung finden
  • Trainings mit Angsthunden
  • Management
  • Was tun bei unerwünschtem Verhalten
  • Berührungstraining
  • Aufmerksamkeitstraining
  • Stubenreinheit
  • Leinentraining

Hier bekommt der Leser mit einer Mischung aus notwendigem Hintergrundwissen und leicht nachvollziehbaren Schritt-für-Schritt-Anleitungen eine tolle Hilfe an die Hand. Auf der einen Seite wird einem klar, warum man bestimmte Dinge so und nicht anders tun sollte, wird dann aber nicht mit der Erkenntnis alleine gelassen, sondern kann es mit Hilfe der Trainingsanleitungen mit seinem Hund auch durchführen.

Manche Tipps sind so einfach, dass man sich vielleicht denkt: „Da hätte ich auch drauf kommen können!“, dafür aber umso hilfreicher. Ein Beispiel dazu:

Beim Leinentraining wird in Schritt 5 erklärt:

„Halten Sie die Leine eine Weile in der Hand und lassen Sie sie vorsichtig aus der Hand fallen. Sehr wahrscheinlich wird der Hund sich zu Ihnen umdrehen, wenn er die Leine herunterfallen hört. Genau das soll er auch – belohnen Sie ihn. Ziel dieser Übung ist es, dass der Hund lernt, Blickkontakt zu Ihnen aufzunehmen, falls Ihnen versehentlich einmal die Leine aus der Hand fällt.“ (Leben will gelernt sein, S. 136)

Gerade Angsthunde flüchten in solchen Situationen und da ist es Gold wert, wenn der Hund so etwas gelernt hat!

Clickertraining

Der nächste Teil des Buches beschäftigt sich mit dem Clickertraining. Nach einer kleinen Einführung ins Clickertraining und ein paar Menschenübungen gibt es ein paar Trainingsideen für Übungen mit dem Hund. Das Kapitel ist recht kurz gehalten, aber im Prinzip basiert das komplette Buch auf Basis der positiven Verstärkung.

Und die Autorinnen sagen auch ganz klar, dass nicht der Clicker den Clickertrainer ausmacht, sondern das Verständnis für das Training über positive Verstärkung. Deshalb soll auch nur ein kleiner Einblick gegeben werden und der ist gut gelungen.

Dies und Das

Im letzten Abschnitt des Buches findest du sehr spannende, teilweise ungewöhnliche und auf jeden Fall hilfreiche Tipps, Trainingsanleitungen, Informationen. Ich habe leider keine Überschrift dafür gefunden. Vielleicht wäre so etwas wie „Toolbox für ängstliche Hunde“ ganz gut.

Du erfährst, wie du mit dem Hund ein Sicherheitssignal trainieren kannst, ihm die Hundebox schmackhaft machst, das Alleinebleiben übst, seine Frustrationstoleranz steigerst, einen Maulkorb auftrainierst, „Gute-Laune-Wörter“ und eine ganze Menge mehr an kleinen, aber feinen Tipps, die ich so noch in keinem Buch gefunden habe.

Es wird erklärt, welchen positiven Einfluss Rituale auf das Zusammenleben haben, wie Ankündigungen dem Angsthund helfen und wie man ihn dazu bringen kann, etwas sein zu lassen.

Fazit

Von mir bekommt das Buch die Höchstpunktzahl von 5 Sternen. Ich habe ein neues Lieblingsbuch. 🙂

Wirklich alle Trainingsanleitungen basieren auf positiver Verstärkung. Das komplette Buch ist gut verständlich und leicht zu lesen und zu verstehen. Die praktischen Tipps können dank der Schritt-für-Schritt-Anleitungen einfach nachgemacht werden.

Ich empfehle es nicht nur bei Hunden mit Deprivationsproblematik. Ich bin der Meinung, wer einen Hund mit einem Angstproblem oder einfach nur einen unsicheren Hund hat, egal, warum das so ist, hat mit diesem Buch einen wertvollen Ratgeber, um seinen Hund zu einem lebenswerten und entspannten Leben zu verhelfen.

Zur Webseite: http://www.lebenwillgelerntsein.de/

Claudia Hußmann

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